Gemeinsam mit meinem Pferd Lola untersuche ich die historisch belastete Beziehung zwischen Mensch und Pferd, mit besonderem Fokus auf die Verschränkungen von Macht, Geschlecht und Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert.

Das Pferd ist seit Jahrtausenden ein Symbol für militärische Macht, virile Repräsentation und instrumenteller Verfügbarkeit. In Diskursen zu Landwirtschaft, Militärgeschichte und Sport erscheint das Pferd als funktionale Ressource, als Mittel, Kontrolle auszuüben. Spätestens vor dem Hintergrund der massenhaften Verluste von Pferden in den Weltkriegen betrachte ich die Beziehung zwischen Mensch und Pferd als belastet. Die Auseinandersetzung mit unserem Kriegserbe bildet dabei nicht nur den Ausgangspunkt dieser Arbeit, sondern öffnet auch den Blick auf Spuren von Gewalt, Fürsorge und Erinnerung, wie sie in heutigen Reitkulturen, Körperpraktiken und symbolischer Ordnung nachwirken.

Dem setzt der Kentaur*ismus eine alternative Lesart entgegen: die Figur des „Pferdemädchens“ als hybride Symbiont*in: fürsorglich, emotional gebunden und jenseits klassischer Machtachsen agierend. Anstelle des Reiters: Beziehung. Anstelle von Kontrolle: Koexistenz. Gemeinsam mit Pferd Lola nähere ich mich in 4 Übungen performativ einer verkörperten Auseinandersetzung mit transgenerationalen und interspeziesistischen Traumata, die durch Krieg, patriarchale Strukturen und ökonomische Ausbeutungsverhältnisse geprägt sind.
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