Ich habe nicht geplant, an diesem Tag zu fotografieren.
Am 22. Oktober 2025 wurde unsere Stute Leylan eingeschläfert. Sie wurde 2003 bei uns geboren und ist auch bei uns gestorben.

In unserem Stall dürfen die Tiere bei ihren toten Gefährten bleiben. Ich durfte an diesem Tag Teil ihrer Herde sein. Entgegen der Vorstellung vom Tier als instinkthaftes Wesen erlebte ich einen bewussten, sozialen Abschied. Das Pony Cito hielt Totenwache und führte einzelne Tiere zum Körper, als müsse jede Begegnung die Veränderung der Herde begreifbar machen. In dieser Zeit wurde mir die Nähe zwischen Trauer und Gegenwart spürbar — ein Zustand des reinen Daseins.

Mit der Kamera als Vermittlerin richtete sich mein Blick auf ihren Körper wie ich ihn zu ihren Lebzeiten nie sehen konnte. Nicht nur im metaphorischen – nie hätte ich ihr Euter, ihre Zähne ihren Unterbauch so betrachten dürfen, nie war ich ihr so nah. Nur ohne Kamera hätte ich mich nie getraut sie so zu betrachten.

Die Serie ist aus einem Zustand entstanden in dem nicht der Kopf sondern der Moment das Auge lenkt.
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